Woche 5: Kosteneffizienz – „Guter Rat ist teuer“, aber nicht mehr bei der Geldanlage

Eine Orange enthält auch nur eine bestimmte Menge Saft! Was diese Aussage mit Ihrem Geld zu tun hat, zeigen wir Ihnen in der heutigen Ausgabe.

(Quelle)

„Achten Sie auf die Kostenbelastung“. In unserer zweiten Ausgabe hatten wir Ihnen bereits verdeutlicht, wie sich 1% mehr oder weniger Kosten auf Ihr Nettovermögen auswirken. Heute möchten wir dies in einen praktischen Zusammenhang bringen und Ihnen eine kosteneffiziente Form für Ihre private Vorsorge vorstellen.

Wie Sie bereits gelernt haben, sind die Kosten die einzig wirklich messbare Größe bei der Geldanlage. Folgende Grafik vergleicht den Endwert einer beispielhaften Anlage von 10.000 Euro mit einem jährlichen Wertzuwachs von 8% und verschiedenen Kostenbelastungen:

Quelle: yavalu GmbH

„Was nichts kostet ist nichts wert“, sagt ein altes Sprichwort. Im Finanzdschungel könnte man jedoch sagen: „Was viel kostet vernichtet Wert“.

 

Woher kommen eigentlich die Kosten klassischer Anlagemöglichkeiten?

Vor allem aktiv gemanagte Investmentfonds oder Vermögensverwaltungsmandate kosten viel. In der Regel basiert deren Kostenstruktur auf einem Ausgabeaufschlag, der bis zu 5% beträgt und einer jährlichen Verwaltungs- und Managementfee, die auch zwischen 1% und 3% liegen. Für Sie die Kosten dieser Geldanalage zu einem sehr kostspieligen Vergnügen werden.

Wieso bezahlt man eigentlich diese Gebühren? Der Anspruch vieler Investmentfonds ist es, durch aktives Management einen Index zu schlagen. Ein aktiver Manager versucht also, durch bestimmte Wetten eine Überrendite am Markt zu erzielen. Dahinter stehen meistens hochkomplexe mathematische Modelle oder auch das Bauchgefühl eines Fondsmanagers. Nur die wenigsten Fondsmanager schaffen es allerdings, nachhaltig den zu Grunde liegenden Index zu übertreffen. Die durchschnittliche Wertentwicklung bleibt in den meisten Fällen hinter dem entsprechenden Index um einen Betrag in Höhe der Fondsgesamtkosten zurück. Eine Studie von iShares zeigt, dass es im Schnitt gerade einmal etwas mehr als 5 Prozent der aktiv gemanagten Investmentfonds schaffen, den Index konstant über drei Jahre zu übertreffen. Eine Selektion dieser Manager ist demnach so gut wie unmöglich.

Quelle: iShares – A Comparison of Mutual Fund and ETF Returns, Jan. 2010; im Extra Magazin: 10 Jahre ETFs auf Xetra, Sonderausgabe April 2010, Seite 30.

Viele aktive Fondsmanager scheitern aber nicht nur wegen der hohen Kostenbelastung am Index. Auch psychologische Gründe spielen eine wichtige Rolle. Ein sehr schönes Zitat stammt hier von John Kenneth Galbraith: „Es gibt zwei Arten von Prognostikern: jene, die nichts wissen – und jene die nicht wissen, dass sie nichts wissen.“

Ein weiterer Grund für das schlechte Abschneiden eines aktiven Fondsmanagers ist eine sehr starke Indexbindung, da Fondsmanager das Risiko scheuen, sich von einem Index zu lösen. Die starke Bindung steht jedoch einem möglichen Mehrertrag entgegen, denn durch die hohen Kosten kann ein sich zu nahe am Index haltender Fonds deren Performance kaum erreichen, geschweige denn übertreffen.

Eine zusätzliche und sehr einfache Begründung für das schlechte Abschneiden der aktiven Manager stammt vom Nobelpreisträger William Sharpe von der Stanford University: Er hat scharfsinnig beobachtet, dass aktive Vermögensverwalter als Gruppe zwangsläufig immer eine geringere Rendite haben als passive Manager. Die Erklärung ist ganz einfach: Sämtliche Investoren können maximal den Gesamtertrag des Marktes verdienen oder anders formuliert: Eine Orange enthält auch nur eine bestimmte Menge Saft. Da jedoch die Kosten eines aktiven Managers deutlich höher sind, muss der Ertrag nach Kosten für diese Geldanlage insgesamt niedriger ausfallen als bei einem passiv investierten Portfolio.

 

Der Vorteil passiver Investmentfonds (ETFs)

Die passiven Fonds werden auch als Indexfonds oder Exchange Traded Funds (ETF) bezeichnet. Der Unterschied zu einem aktiv gemanagten Fonds ist, dass ein ETF passiv die  Wertentwicklung eines Index abbildet. Die hohen Kosten eines Anlagemanagers entfallen also. Ein ETF hilft Ihnen, kosteneffizient und zielstrebig Ihr Anlageziel zu erreichen. Was im Detail ein ETF ist, welche unerreichbaren Vorteile er Ihnen bringt und auf was Sie bei der richtigen Auswahl achten müssen, haben wir für Sie in einer separaten ETF Serie vorbereitet.

Wahrscheinlich hat Ihnen Ihr Bankberater bisher noch nichts über Indexfonds oder ETFs erzählt. Dies hat u. a. auch damit zu tun, dass ETFs von Banken gescheut werden, wie der Teufel das Weihwasser. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds sind ETFs einfach, transparent und kostengünstig. In Indexfonds lassen sich keine Gebühren verstecken und es werden keine Provisionen an den Bankberater bezahlt. Somit sind die Kosten der Geldanlage ETF geringer als bei aktiv gemanagten Fonds. Obwohl ETFs viele Vorteile für den Anleger mit sich bringen, so sind diese doch aus Sicht der Banken unpassend, weil es keine Ausgabeaufschläge und laufende Gebühren zu verdienen gibt. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage im Handelsblatt gaben 74 Prozent der befragten Banker an, dass Banken ihren Vertrieb nach den Provisionserlösen steuern. 40 Prozent der Bankberater gaben zu, dass die Vertriebsvorgaben der Banken dem Kundeninteresse häufig oder fast immer widersprechen.

 

Sie verlieren zusätzlich die Kontrolle über die Diversifikation

Bei einem genauen Kostenvergleich der beiden Anlageformen (aktiver Investmentfonds und passiver ETF) ist ein ETF generell die bessere Wahl.  Es gibt jedoch noch einen weiteren Vorteil: Bei einem ETF können Sie den ersten wahren Helden der Geldanlage, also die Verteilung Ihres Geldes über verschiedene Anlageklassen, besser bestimmen. Bei einem aktiv gemanagten Investmentfonds bestimmt der Manager, ohne dass Sie eingreifen können.

Warum diese Diversifikation so wichtig ist, hatten wir Ihnen in der letzten Ausgabe anhand der Dotcom Blase Ende der 90er Jahre erklärt. Anleger, die damals breit in verschiedene Anlageklassen investiert waren, konnten diese Krise deutlich besser überwinden.

Bei einem aktiv gemanagten Investmentfonds besteht die reelle Gefahr, dass ein Portfoliomanager, der eigentlich anfangs eine effektiv diversifizierte Struktur angelegt hat, plötzlich die Allokation der einzelnen Anlageklassen verschiebt, da er sich zum Beispiel aufgrund einer „sicheren Prognose“  (die es ja nicht gibt wie wir gelernt haben) von den Aktienmärkten einen Kursschub erwartet. Diese Verschiebung kann zum Problem werden und Sie haben bei Investmentfonds kaum eine Möglichkeit, von solchen Verschiebungen in Kenntnis gesetzt zu werden und daher auch nicht zu reagieren. Ihr Risiko würde sich überlappen und zwar auf Kosten der Diversifikation. Wenn Sie sich beim Aufbau des Portfolios auf aktive Manager stützen, verlieren Sie die Kontrolle über die Diversifikation.

 

Zusammenfassung

Sie sind Ihrem Anlageziel einen großen Schritt näher gekommen, wenn Sie die beiden ersten wahren Helden des Investierens „Kosteneffizienz“ und „Diversifikation“ konsequent in Ihrer Geldanlage umsetzen. Die alte Garde der aktiven Manager können Sie mit erhobenem Haupt hinter sich und die Kosten der Geldanlage niedrig lassen. Wie Sie dies einfach umsetzen, zeigen wir Ihnen in der nächsten Ausgabe.

 

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Bitte beachten Sie: Wir möchten Sie mit diesem Informationsangebot bei Ihrer Geldanlage unterstützen. Wir geben hiermit aber keine Anlageempfehlungen ab. Das Investieren Ihres Geldes ist mit Risiken verbunden. Bitte informieren Sie sich umfassend bevor Sie aktiv werden.

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